8 Thesen und 3 Empfehlungen

Zufall ist menschlich. Wir brauchen ihn, um unserem Leben gelegentlich eine neue Richtung zu geben, uns neue Perspektiven zu eröffnen, neue Entscheidungswege einzuschlagen. Wir brauchen ihn auch, um glücklich zu sein. Ein vorbestimmtes, vorhersehbares Leben ist nicht nur langweilig. Es ist tödlich langweilig.

Im Internet sind wir derzeit auf dem Weg in dieses vorhersagbare Leben. Je mehr wir im Netz tun, desto mehr Gelegenheit schaffen wir für die Algorithmen von Google, Facebook & Co., unsere Vorlieben, Interessen und Wünsche und die daraus folgenden Handlungsweisen zu berechnen.

Amazon schlägt uns Bücher vor, die wir lesen sollen, und die Vorschläge sind erstaunlich gut. Genius schlägt uns Musik vor, die zu unseren Vorlieben passt. Foursquare schlägt uns die Bars vor, in denen wir unsere Freunde treffen, NewsMe schlägt uns vor, was wir lesen und anschauen sollten, und Paarship schlägt uns die Menschen vor, die wir künftig lieben könnten. Das alles ist sehr bequem und macht das Leben leichter. Aber es ist ein anderes Leben, als wir es bislang kannten.

Algorithmen, die uns diese Empfehlungen und Vorschläge ausrechnen, orientieren sich in ihren Berechnungen an der Vergangenheit, an unserem zurückliegenden Verhalten. In der Auswertung riesiger Datenmengen verlängert der Computer das, was wir getan, gewollt, geliebt haben, in die Zukunft. Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Was er einmal mag, mag er oft ein Leben lang. Mit Hilfe der Algorithmen werden wir zu einer endlosen Zeitschleife unserer selbst, zu unserem immerwährenden Status quo.

Ende 2009 hat Google seinen Suchalgorithmus von generell auf personalisiert umgestellt. Wer immer nun etwas im Internet sucht, bekommt individualisierte Ergebnisse. Dabei werden meine vorherigen Entscheidungen, die die Suchmaschine vorhält, und die Daten, die ansonsten im Internet über mich kursieren, ausgewertet, gewichtet und genutzt. Ich bekomme die Suchergebnisse aufgelistet, die am besten zu meinen bisherigen Präferenzen passen.

In der englischen Sprache gibt es ein schönes Wort für das, was so verschwindet: „Serendipity“. Es bezeichnet die unerwartete Entdeckung, die durch einen glücklichen Zufall möglich wird. „Serendipity“ tritt in unser Leben, wenn wir in einem Buchladen plötzlich ein Buch in der Hand haben, das durch seinen Umschlag unsere Aufmerksamkeit geweckt hat, das wir eigentlich nie gelesen hätten, aber in dem wir nun plötzlich stöbern. Zu „Serendipity“ gehört es, wenn ich plötzlich eine Zeitungsreportage anlese und gefesselt bin, obwohl ich dachte, ich interessiere mich nicht für das Thema. „Serendipity“ liegt in der Begegnung mit einem Menschen, in den ich mich verliebe, obwohl er nicht meinen „Idealvorstellungen“ entspricht. Und „Serendipity“ liegt auch darin, dass ich plötzlich einem unbekannten Thema begegne, das mich politisch aktiv werden lässt, weil es mir so wichtig erscheint.

Diese Veränderung, die auf den ersten Blick ein technisches oder Softwaredetail zu sein scheint, kann im Verlauf der Zeit weitreichende Konsequenzen haben, die wir uns bewusst machen müssen, um zu verstehen, wie das personalisierte Internet unser Weltbild und damit uns selbst verändern kann.

  1. Die Personalisierung rechnet sukzessive die Gemeinsamkeiten in Themen und Interessen über individuelle Grenzen hinaus aus dem Internet heraus. Wir brauchen aber eine Basis an gemeinsamen Themen und Aufmerksamkeitsspannen, um demokratische Meinungsbildungsprozesse weiterhin möglich zu machen und einen „common sense“ in unserer Gesellschaft zu sichern.
  2. Algorithmische Personalisierung reduziert den Menschen letztlich auf eine einzige Identität. Mark Zuckerberg, Gründer und CEO von Facebook, sagt dazu: „You have one identity […] Having two identities for yourself is an example for a lack of integrity.“ Das Gegenteil ist richtig: Wer behauptet, der Mensch habe nur eine Identität, sitzt schnell in der „Identitätsfalle“ (Amartya Sen) und verleugnet die vielfachen Identitätsbezüge, die einen Menschen ausmachen
  3. Das Internet ist ebenso wenig neutral, wie Software neutral ist. Dabei ist nicht nur der Zugang zum Netz entscheidend. Es geht um den Einfluss, den große Internetkonzerne wie Google, Facebook & Co. auf unsere Wahrnehmung der Welt, unsere politische Meinungsbildung und unsere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben haben. „Code is law“, so hat der amerikanische Jurist und Internetexperte Lawrence Lessig es schon vor Jahren beschrieben. Wir werden zu den Werkzeugen der Onlinewerkzeuge. Die sind nicht neutral, sondern auf die Geschäftsziele der Internetkonzerne oder die Weltbilder von Interessensgruppen ausgerichtet.
  4. Im Zuge der Personalisierung im Netz werden wir von Bürgern und Kunden zu Produkten gemacht. Es geht nämlich schon lange nicht mehr alleine darum, uns das Beste, das Interessanteste oder Relevanteste anzubieten, was es im Netz gibt. Es geht darum, uns am effektivsten als individuellen Absatzmarkt für ökonomisch oder politisch verwertbare Informationen und Angebote zu nutzen. Wir werden in Form von variablen Datensätzen zwischen Internetfirmen und deren Geschäftspartnern gemakelt.
  5. Ohne überraschende und unerwartete Informationen, Einsichten und Begegnungen verlernen wir das Lernen. Wer sich als Mensch weiterentwickeln möchte, braucht die Überraschung und die zufällige Begegnung mit dem Unbekannten, um neue Perspektiven einnehmen zu können. Es gehört in einer Demokratie auch zu den Verpflichtungen des Bürgers, sich nicht nur mit den Dingen auseinanderzusetzen, die im Kern des eigenen Interesses und Weltbilds liegen.
  6. Algorithmen funktionieren wie Trichter, die unseren Blick auf die Wirklichkeit immer weiter verengen, weil sie uns immer wieder das ausrechnen und anbieten, was wir bereits kennen, mögen und haben möchten. Dadurch werden bestehende Stereotype und Vorurteile verstärkt. Wenn ich einmal bei Facebook die Seite „Islam is dangerous“ „geliked“ hat, bekomme ich immer mehr Informationen mit ähnlicher politischer Ausrichtung. Wollen wir das in einer Gesellschaft, die sich ohnehin zunehmend durch Intoleranz gegenüber den Toleranten auszeichnet.
  7. Personalisierung führt zu einer sich selbst verstärkenden sozialen Segmentierung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, indem sie Informationen ungleich verteilt. Wer im Netz teurere Produkte kauft bekommt teurere Angebote gezeigt. Wer Theaterprogramme anklickt, bekommt mehr Theaterinfos. Wer nach Eliteunis sucht, kriegt die neuesten Nachrichten der Eliteunis. Wer das nicht tut, bleibt außen vor. Er hat nicht einmal mehr die Chance zu wissen, dass es das andere gibt, das ihm bislang verschlossen blieb.
  8. Die Debatte um Anonymität im Netz wird vor diesem Hintergrund falsch geführt. Natürlich gibt es Beispiele für den Missbrauch der anonymen Kommunikation im Netz. Aber sie ist an vielen Stellen auch notwendig, um den Beteiligten überhaupt die Möglichkeit zu geben, im Internet über ihre Themen und Wünsche zu sprechen. Der ehemalige Richter am U.S. Supreme Court, John Paul Stewens, hat dazu gesagt: „Anonymität ist ein Schutzschild vor der Tyrannei der Mehrheit. Sie steht für das Ziel unserer Menschenrechte: unliebsame Einzelne vor der Verfolgung in einer intoleranten Gesellschaft zu schützen.“ Personalisierung im Netz ist vor diesem Hintergrund problematisch: Sie hebt den einzelnen Menschen nicht nur aus der Anonymität, sondern legt seine ganze Persönlichkeit mit allen Interessen, Vorlieben und Einstellungen offen. Und sie reduziert den Menschen für immer auf seinen status quo.

Es wäre naiv zu glauben, wir könnten die Personalisierung im Internet noch zurückdrehen oder stoppen. Darum geht es auch nicht. In vielerlei Hinsicht haben personalisierte Angebote Vorteile. Deshalb ist es Unsinn, sie in einem kulturpessimistischen und technikfeindlichen Aufschlag zu verdammen. Wenn es aber darum geht, den Nutzer als ganze Person zu berechnen, dann hat das Folgen, die wir überdenken müssen. Drei Ansätze einer Kulturkritik des algorithmisch personalisierten Internet sind dabei von Bedeutung:

  • Wir brauchen einen öffentlichen Diskurs über „algorithmic literacy“! Es ist an der Zeit, auch im deutschsprachigen Raum eine offene Diskussion über diese Entwicklung zu führen. Wenn die meisten Politiker schon keinen Schimmer haben, worum es hier geht, und deshalb selbst nicht in der Lage sind, die Debatte zu führen, dann muss das durch eine Graswurzelbewegung geschehen. Die Kernfragen dabei sind: (a) Wie können die auf Algorithmen basierenden Personalisierungsstrategien offen gelegt werden, damit jeder Nutzer entscheiden kann, ob er sich dem aussetzen will oder nicht?; (b) Kann es eine Wahlmöglichkeit zwischen personalisierter und nicht personalisierter Suche und Kommunikation im Netz geben, die es den Menschen ermöglicht, sich der totalen Berechnung ihrer Persönlichkeit wenigstens zeit- oder teilweise zu entziehen? (c) Wie können mehr Zufallselemente in die Algorithmen eingebaut werden?
  • Wir brauchen Ungewissheit und Zweifel. Von der algorithmischen Demut vor der Falsifizierbarkeit unserer Wirklichkeitsentwürfe ist bislang nichts bekannt. Das verändert unser Welt- und Menschenbild paradigmatisch. Es ist, was so berechnet ist. Das Leben in einer derart positivistischen Welt wird uns verändern. Wer nicht im digitalen Panopticon leben will, muss auf Unsicherheit und Zweifel als Voraussetzung von Freiheit bestehen.
  • Wir brauchen Medien, die redaktionell von Menschen gemacht werden. Nur sie gewährleisten einen journalistischen Gegenentwurf zu den algorithmischen Berechnungen unserer Lebenswelt, die uns Anbieter wie „Demand Media“ liefern. Sie bieten uns das, was wir zu suchen gewusst haben, denn die Suchanfragen bei Google sind ihre Berechnungsgrundlage für jeden „Artikel“, der von „Demand Media“ ins Netz gestellt wird. Wir brauchen aber auch das, wonach wir nicht zu suchen gewusst haben, das überraschende Angebot, das ein bislang unberechnetes Interesse bei uns weckt.

Eine durch Algorithmen berechnete Welt ist nicht nur öde und langweilig. Sie ist auch der unsoziale Entwurf einer perfekt individualisierten Vermarktungsgesellschaft. Victor Hugo hat in „Die Elenden“ geschrieben: „Die grossen Zufälle sind das Gesetz. Die Ordnung der Dinge kann nicht auf sie verzichten.“ Heute sind Zufälle nicht mehr Gesetz, nicht einmal die kleinen. Verzichten aber können wir nicht auf sie, auch nicht im Internet. Mit dem Zufall retten wir auch das, was den Menschen von der Maschine unterscheidet. Also: Retten wir ihn, den Zufall!

Weiterführende Lesetipps:

John Brockman (ed.): Is the Internet Changing the Way You Think? The Net’s Impact on our Minds and Future. New York 2011.

Cyrus Farivar: The Internet of Elsewhere. The Emergent Effects of a Wired World. New Brunswick et al. 29011.

Stefan Klein: Alles Zufall: Die Kraft, die unser Leben bestimmt. Reinbek bei Hamburg 2005.

Miriam Meckel: Next – Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns. Reinbek bei Hamburg 2011.

Robert Merton & Elinor Barbar: The Travels and Adventures of Serendipity. Princeton 2004.

Oliver Müller: Zwischen Mensch und Maschine. Vom Glück und Unglück des Homo faber. Berlin 2010.

Eli Pariser: The Filter Bubble. What the Internet Is Hiding from You. New York 2011.

Amartya Sen: Die Identitätsfalle. Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt. München 2007.

Raymond Tallis: Aping Mankind. Neuromania, Darwinitis and the Misrepresentation of Humanity. Durham 2011.

12 Gedanken zu „8 Thesen und 3 Empfehlungen

  1. Unterstrichen, unterschrieben!

    Dies, bitte, bezieht sich ebenso (und vor allem) auf die Offline-Realität ua unserer Bildung und Medien, sowie des Bildungsauftrages im speziellen. Das Netz wird im Zweifel Symptom. Die Ursachen liegen tiefer.

    Gesichtskreise und Horizonte verengen sich brutal. Ein ungewollter aber sehr gefährlicher Effekt für unser aller Wohlstand – mental und materiell.

    Guter und wichtiger Ansatz!

  2. Finde ich einen sehr interessanten Ansatz, den es weiterzudenken und -zugeben lohnt. Ich glaube grade für die Generation „nach uns“, also die jetzt 15 bis 20-jährigen, für die die Netzrealität – so behaupte ich – selbstverständlicher ist und daher vielleicht unreflektierter genutzt wird, dürfte es entscheidend sein sich darüber Gedanken zu machen wieviel künstliche „Vorbestimmung“ sie zulassen wollen.
    Für mich kann das Netz, können speziell soziale Netzwerke „serendipity“ ermöglichen oder verstärken – wenn ich sie mit meinem „real life“ verbinde. Vernetzung mit vielen, insbesondere unterschiedlichen Menschen, erhöht m.E. die Chance auf Unerwartetes. Social Media beschleunigen das Kennenlernen und potenzieren Möglichkeiten. Ich kann sie als Werkzeug benutzen, um außerhalb virtueller Welten Kontakte, Interessen, Aktivitäten zu erweitern.
    Daneben finde ich es eine gute Strategie viel „Leben“ außerhalb des Netzes reinzulassen – aber das soll nicht davon ablenken, sich (selbst)kritisch mit dem Einfluss von Algorithmen auseinanderzusetzen 😉

  3. Personalchef zum Bewerber: „Warum kann man über Sie so wenig in Facebook lesen? Haben Sie etwas zu verheimlichen?“
    Die Problematik ist nicht die Information im Netz, sondern die vielfältigen Möglichkeiten, sie zu gebrauchen oder sie zu missbrauchen. Dagegen kann das Netz gar nichts machen, wir glauben, dass die Netz-Information etwas bedeutsames ist und auch stimmig ist. Weil dies der Glaube ist, kann man dass durch Desinformation aushebeln … Streuen wir einfach falsche Informationen in Wikies, Foren, Blogs, Twitter, Facebooks und Webseiten ein … besuchen wir einfach Seiten, die uns nicht interessieren … kontaktieren wir ‚Freunde‘, die gar keine Freunde sind … wenn sich dann irgendwann herumspricht, dass man sich auf Netz-Informationen nicht mehr verlassen kann, dann wird es schon werden … vielleicht sollte man mit Fake-Communities etwas nachhelfen … es ist doch schlicht wie im wahren Leben … täuschen, tricksen und verstecken.

  4. Hallo Frau Meckel
    Die Algorithmen (A.) wirken ja bereits auf dieser Page- meine E-Mail-Adresse wird bereits beim Eingeben vorgeschlagen, so dass ich sie nicht mal mehr fertig schreiben muss.. Gestern hab ich allerdings einen A. getroffen, der mich netterweise daran erinnert hat, dass ich morgen nach Wien fliege- nicht, dass ich das vergessen hätte, ich denke immer noch bevorzugt selbst- aber das fand ich schon irgendwie reizend- sogar mit persönlicher Anrede. Ja, gut, ihr Artikel ist interessant, ich als Sprachfan finde den Ausdruck ‚Serendipity‘ herausfordernd- the lucky tendency to find interesting or valuable things by chance- mit ‚pity‘ kurz gesagt für soviel wie Einfühlungsvermögen oder Enttäuschung und ’serene‘ für friedlich und ruhig, durch nichts irritiert. Aber ich werde Ihren Artikel sicherlich nochmals mit mehr Ruhe lesen- diese Algorithmen bzw. die, die sie kreieren, und ihre gesellschaftliche Bedeutung bzw. ihre ‚Macht‘, die Gesellschaft nachhaltig zu verändern- verursachen mir schon ein gewisses Unbehagen- wie auch ihr Buch ‚Next‘- ich verstehe von diesen technologischen Dingens nicht soviel- aber Unbehagen trifft es schon ziemlich, was ich beim Lesen der ‚Gedankengänge „Ihres“ A.‘ empfinde und mit Lesen nicht recht vorwärts komme. Jedenfalls habe ich über dieses Medium die Möglichkeit, virtuell mit Ihnen zu kommunizieren. Zudem interessiert es mich, ob mein Buchtipp jemals bei Ihnen angekommen ist oder ob Spamopfer oder ‚delete klick‘ zum Einsatz gekommen ist. Ja, das dazu und zu den A.’s, Ihnen einen guten Restabend noch.
    Herzliche Grüsse
    Barbara Guth

  5. Ein ganz einfacher Grund, den Zufall zu retten ist, dass er nicht herstellbar ist. Es liegt in der Logik der Sache, dass keine Maschine, kein Computerprogramm und auch kein menschliches Handeln Zufall erzeugen kann. Das sind alles, wenn auch mitunter gute, Annäherungen. So gesehen gehört dieser Zufall also zu den knappen Rohstoffen dieser Welt. Er wird aber nicht aufgebraucht, wie Öl oder Trinkwasser, sonder er wird systematisch vernichtet. Selbstverständlich findet sich im Bestreben eines jeden Lebewesens irgendwie das Ziel, den natürlichen Zufall aus überlebensstrategischen Gründen möglichst einzudämmen. Wenn das Eichhörnchen im Herbst einen Vorrat anlegt, dann ist das auch so etwas, wie ein Versuch, sich gegen den Einfluss scheinbarer natürlicher Willkür zu schützen. Das Eichhörnchen jedoch tut dies im Einklang mit seiner natürlichen Umgebung. Es passt sich an, richtet sich mit den Gegebenheiten ein. Der Mensch hat es anders gemacht. Er hat sich nach und nach einen völlig unnatürlichen Lebensraum geschaffen, der den natürlichen Zufall beinahe absolut ausschließt. Eine Welt, in der der Bus auf die Minute genau eine Haltestelle anfährt oder Tagesrythmen nach Ladenöffnungszeiten ausgerichtet werden, ist ohne Frage völlig unnatürlich. Und in einer solchen Welt verbreitet der Zufall wiederum Angst und Schrecken. Unfälle, unvorhergesehene Unglücke, unerklärliche Vorgänge, all dies macht uns Angst. Und warum? Weil wir uns in einer täuschend echten Illusion befinden. Wie Goldfische im Glas. Wir sind natürliche Geschöpfe, aber wir sind außerstande mit den natürlichen Vorgängen zu leben. Wir denken, wenn wir den natürlichen Zufall ausmerzen, dann sind wir sicher. Was wir dabei aber vergessen ist, dass wir selbst natürlichen Ursprungs sind und uns systematisch selbst zerstören, wenn wir diesen Ursprung verleugnen und bekämpfen. Oft wird in Diskussionen um zuküntige künstliche Intelligenz immer auf die Robotik- und Informatikforschung verwiesen. Aber vielleicht werden wir selbst unsere künstliche Intelligenz. Wie wir selbst wohlmöglich unsere eigenen Aliens sind und selbst unsere Götter.

  6. Schon gewusst? De Wahrscheinlichkeit in einem Autounfall zu sterben ist deutlich größer, als die auf einen 6er mit Zusatzzahl. Diese beträgt nämlich 1:10.000 und ist somit 14.000 Mal höher als die auf den Jackpot.

  7. Danke! Für den interessanten Ansatz.
    Danke! Für den Denkprozess, den das Manifest bei mir angestoßen hat.

    Dass ich nun gleich hier ein Kommentar hinterlasse, lässt sich als Indikator für die Bewahrheitung von „Serendipity“ im etymologischen Sinn als „a discovery by accident and sagacity (!) while in pursuit of something else“ verstehen. Selbst im Netz. Das ist das schöne am Konzept von „Serendipity“. Wer mit offenen Augen (= sagacity) durchs Leben/ (Netz?) geht, begegnet dem Zufälligen und setzt sich ggf. damit auseinander.

    Was ich mich (polemisch zugespitzt) frage, inwiefern unterscheidet sich ein Algorithmus von Selektionskriterien redaktionell aufbereiteter Inhalte?

  8. …scheint also würde ich doch nicht so gleich ein Kommentar hinterlassen.
    mein Kommentar scheint dem Zufall zum Opfer gefallen zu sein.
    neuer Versuch:

    Danke! Für den interessanten Ansatz.
    Danke! Für den Denkprozess, den das Manifest bei mir angestoßen hat.

    Dass ich nun gleich hier ein Kommentar hinterlasse, lässt sich als Indikator für die Bewahrheitung von „Serendipity“ im etymologischen Sinn als „a discovery by accident and sagacity (!) while in pursuit of something else“ verstehen. Selbst im Netz. Das ist das schöne am Konzept von „Serendipity“. Wer mit offenen Augen (= sagacity) durchs Leben/ (Netz?) geht, begegnet dem Zufälligen und setzt sich ggf. damit auseinander.

    Was ich mich (polemisch zugespitzt) frage, inwiefern unterscheidet sich ein Algorithmus von Selektionskriterien redaktionell aufbereiteter Inhalte?

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